LLMs & ich

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Mein Motto ist grundsätzlich leben und leben lassen – trotzdem finde ich es gelegent­lich sinn­voll und wichtig, zu manchen Dingen klar Stellung zu beziehen.

Das heißt noch lange nicht, dass ich es richtig fände, wenn alle so denken und sich meiner Haltung anschließen, es heißt nur, dass ich persön­lich die Dinge so sehe und für mich persön­lich so entscheide. Heute sag ich was zum Thema LLMs.

Vielleicht unnötiger Text, aber mir ist nach Schreiben. ;-)

Was sind nochmal LLMs?

LLM steht für Large Language Model und ist die Technik hinter den aktuell gängigen Formen von „KI“, sprich ChatGPT, Claude, Grok und wie sie alle heißen. Den Begriff „künstliche Intelli­genz“ finde ich irre­führend, denn an der Arbeits­weise dieser LLMs ist nichts „intelli­gent“. Sie erraten auf der Basis einer riesigen Daten­menge, welche Abfolge von Buch­staben für den gegebenen Kontext am wahrschein­lichsten passt.

Es ist gewiss erstaunlich, zu welchen sehr brauch­baren Ergebnissen diese Methode führen kann. Aber das ist noch lange kein Zeichen von Intelligenz.

Es geht alles viel schneller damit!

Ich habe schon einige Berechnungen aufgestellt gesehen, dass Leute durch die Verwen­dung dieser Fertig­text­maschinen locker die Hälfte ihrer Arbeits­zeit einsparen. Das klingt ja nun schon verlockend – wenn ich statt acht Stunden nur noch vier Stunden jeden Tag arbeiten müsste, könnte ich mit der frei­gewor­denen Zeit so viel anfangen!

Es kann gut sein, dass das für andere Leute so funk­tio­niert, aber für mich passt es nicht. Einfach von dem her, wie und warum ich arbeite.

Was könnte ich mit LLMs in meiner Arbeit anfangen?

Im Prinzip gibt es für mich persönlich zwei Tätig­keiten, die LLMs über­nehmen können: Texte aller Art schreiben, und program­mieren (also Code schreiben).

Texten als Teil meiner Arbeit

Ziemlich viel von meinem Arbeits­alltag ist Texte schreiben: Mails, Konzepte für Web­seiten, Doku­men­tation, bloggen… da kommt ganz schön was zusammen. Und eine Seite Text tippen braucht definitiv viel mehr Zeit als ChatGPT zu sagen „schreib mir ein ein­seitiges Konzept für X“. Vermutlich sogar wenn ich mehrere Anläufe brauche, um X gut zu formulieren, damit das Ergebnis so wird wie ich es haben will.

Aus meiner Sicht liegt so aber der Fokus zu sehr auf dem mess­baren Ergebnis, und zu wenig auf dem Prozess, der mich hin­führt. Ich schreibe, tippe und formuliere sehr, sehr gerne. Mir macht es Spaß an einem Text zu feilen, erstmal Stichworte raus­zu­hauen, um die grauen Zellen in Gang zu bringen, die Finger über die Tastatur tanzen zu lassen, kurz innezuhalten und nochmal nachzudenken… Ich mag diesen Prozess!

Und ich mag, dass das was am Ende rauskommt 100%ig ich bin. Ich glaube, das Sinn­vollste was ich auf dieser Erde und in diesem Leben machen kann, ist mich selbst zum Ausdruck zu bringen. Wie ein kluger Mensch mal gesagt hat, alle anderen gibt es schon.

Könnte ich das auch mit Hilfe eines LLMs? Groben Text schnell erstellen lassen, dann bear­beiten, bis ich ihn gut finde? Vielleicht – aber der Prozess gefällt mir weniger. (Und ich glaube, unterm Strich würde ich dann auch keine Zeit sparen.)

Code, Code, Code

Wenn man mal tiefgründiges Nachdenken, fröh­liches Netz­werken und diversen Büro­kram aus­klam­mert, besteht der Rest meines Arbeits­alltags aus Coding („programmieren“ im weitesten Sinne, ich zähle HTML und CSS dazu). Sprich maschinen­verständ­lichen Text zu erstellen, der dann korrekt von Maschinen verar­beitet wird und funk­tio­niert, also zum Beispiel eine Webseite richtig darstellt oder beschrif­tete Punkte auf eine Karte bringt oder ähnliches.

Das können LLMs auch, und definitiv schneller als ich, keine Diskussion. Aber ganz ehrlich – Code zu schreiben, der einfach nur funk­tio­niert, ist nicht schwierig! Die hohe Kunst besteht darin, Code zu schreiben, den ich auch nach einem halben Jahr noch verstehe und bearbeiten kann. Klingt vergleichs­weise trivial, ist es aber nicht.

Hier finde ich den Prozess noch wichtiger als bei anderen Texten – weil ich nämlich noch sehr viel mehr zu lernen habe, um richtig gut zu sein. Code schreibe ich noch nicht so lange und bei Weitem nicht so viel wie Mails oder Konzepte oder Prosa oder generell Texte für Menschen, und durch Übung lernt man nunmal am effektivsten.

Wenn es mir beim Code nur um das jeweilige Ergebnis ginge, würde ich wohl auf fertige Lösungen zurück­greifen, oder viel­leicht mit anderen Leuten zusammen­arbeiten, die das können was ich brauche. Aber mir von einer Wahr­schein­lich­keits­berech­nungs­maschine Code erstellen lassen, den ich dann nicht wirklich verstehe? Klingt für mich nach einem Rezept für einen Horrorfilm.

Zusätzliche Faktoren

Abgesehen davon, dass LLMs mir nur Tätig­keiten abnehmen könnten, die ich sehr sehr gerne tue, gibt es schon auch noch ein paar andere Proble­ma­tiken, die aus meiner Sicht gegen die Verwen­dung sprechen. Vielleicht ließe sich eine Version finden, die nicht aktiv faschistische Mega­konzerne unter­stützt, aber schon eine Version, die nicht auf der geklau­ten Arbeit SO vieler kreativer Köpfe beruht, dürfte unmög­lich sein. Vom Umwelt­schutz ganz zu schweigen.

Das sind aber alles Themen, mit denen ich mich gar nicht so im Detail beschäftige, weil ich wie gesagt ganz grund­sätz­lich nicht damit arbeiten mag. Nicht mein Ding, Thema für mich erledigt.

Andere Optimierungsmöglichkeiten

Nur am Rande, nicht dass der Eindruck entsteht, ich interessiere mich nicht für Verbesserungs­mög­lich­keiten in meinem Arbeits­alltag: Da ich mir sehr bewusst bin, wieviel ich tippe und was für eine Rolle schreiben in meinem Alltag spielt, habe ich mir vor einiger Zeit die Mühe gemacht, mir ein anderes Tastatur­layout beizu­bringen. Das heißt ich kann jetzt fließend blind tippen, UND das Layout ist sehr viel ange­nehmer und ergono­mischer in den nötigen Bewe­gungen als das gängige QWERTZ.

Hat locker ein paar Monate gedauert, bis ich damit nur halb­wegs so schnell war wie vorher mit dem systemlos antrai­nierten normalen Layout – aber es hat sich absolut gelohnt! Tippen ist jetzt wirklich wie Tanzen mit den Händen!

Kleines Schlusswort

Im Prinzip kann es Dir egal sein, ob ich mit LLMs arbeite oder nicht, und ich vermute, den meisten Leuten ist es das auch. Aber zum einen ist es ein bisschen wie mit Facebook oder Instagram: Wenn Du viel damit arbei­test und das mit Deiner Webseite Hand in Hand gehen soll, bin ich eher die falsche Fachfrau für Dich, weil ich beides nicht nutze und keiner­lei Interesse daran habe mich damit auseinanderzusetzen.

LLMs haben eher noch weniger direkt mit Deiner Webseite zu tun, aber es ist schon ein Thema, zu dem viele Leute eine ausge­prägte Meinung haben. Und dann ist es manchmal hilf­reich zu wissen, ob andere in dieser Hinsicht kompatibel ticken oder eher nicht.

Ich bin bei dem Thema wie gesagt ganz bei leben und leben lassen, wenn Du LLMs verwendest ist das Deine Sache. Ich nutze sie nicht, und das bleibt ziemlich sicher so.