Schweizer Archivlandschaft
Dieses Projekt ist mal was ganz Anderes, als ich sonst meistens mache, und ich bin über meine Kollegin Barbara Gölz dazugestoßen, die wusste, dass ich mal diese andere interaktive Karte für baf gebaut hatte.
Aufgabenstellung
Mit der Webseite des Vereins Schweizerischer Archivar:innen hatten wir beide gar nichts zu tun, die läuft mit Wordpress und existiert schon eine Weile. Es ging konkret darum, die bisherige Liste der beteiligten Archive, die schwer zu pflegen war, auf modernere Beine zu stellen. Es sollte eine OpenStreetMap-Kartenansicht geben, die alle Archive zeigt, und parallel dazu eine filterbare Liste mit den Informationen zu den Archiven. Also in der Ausgabe sehr ähnlich zu dem, was ich bei dem Projekt mit baf schon gemacht hatte.
Anders allerdings sollte die Erfassung und Aktualisierung der Daten erfolgen: Bei baf gab es eine zentral gepflegte Datenbank, aus der die Daten exportiert und anschließend auf der Webseite wieder importiert wurden; hier war die Idee, die Daten regelmäßig aus Wikidata zu ziehen, so dass alle Archive in der Lage wären, sie selbst dort auch zu pflegen. Super Idee! In der Praxis steckten da dann einige Herausforderungen drin, aber sonst wär’s ja auch langweilig.
Barbara übernahm bei diesem Projekt Konzeption, Gestaltung und Einbau. Meine Aufgabe bestand hauptsächlich darin, die nötigen Daten aus Wikidata automatisiert abzurufen sowie sie auf der Karte und als Liste auszugeben und zu filtern.
Bekanntes & Neues
Ich hatte riesigen Spaß an meinem ersten Kartenprojekt und rede seitdem oft davon, sowas nochmal machen zu wollen – nicht zuletzt damit es sich lohnt, dass ich all die neuen Sachen gelernt hatte. Von daher sagte ich schon zu, als Barbara anfing mit „ich hätte da so eine Anfrage zu einer interaktiven Karte…“. Es hat auch wirklich sehr gut gepasst: dank der ähnlichen Ausgabe konnte ich vieles vom bereits Gelernten einfach anwenden und sogar noch ein wenig optimieren.
Sehr interessant wurde dann die Datenabfrage. Da sich theoretisch jederzeit etwas an den Wikidata-Einträgen ändern könnte, es aber viel zu aufwendig wäre, jedesmal bei Aufruf der Seite 500 Archive abzufragen, legten wir uns auf (maximal) eine Abfrage pro Tag fest, deren Ergebnis zwischengespeichert wird und dadurch schnell aufgerufen werden kann.
De facto sind es aber doch drei Abfragen, denn die Webseite ist dreisprachig (deutsch, französisch, italienisch), und die Wikidata-Einträge können es auch sein. Theoretisch ist das immer ganz einfach mit der Mehrsprachigkeit, aber ich stelle bei absolut jedem multilingualen Projekt fest, dass in diesem Detail immer irgendein Teufel steckt. Und damit meine ich noch nicht die extra Arbeit, dass jemand anders Übersetzungen und Ausgabe kontrollieren muss – nein, es macht ganz grundsätzlich immer so einen kleinen Stolperstein, bis alles funktioniert.
Eigentlich nicht unsere Baustelle: die Datenlage
Was ich aus früheren Erfahrungen mit von Nicht-Fachleuten gelieferten Daten schon hätte wissen können: Bei Wikidata die „richtigen“ Daten einzupflegen ist für Uneingeweihte nicht ganz einfach bis tatsächlich ziemlich schwierig. Theoretisch ist es simpel: Es gibt ein Standard-Feld für Adresse, da trägt man logischerweise die Adresse ein. Aber schon dass es ein eigenes Feld nur für die Postleitzahl gibt, die aber trotzdem bei der Adresse dazugeschrieben werden muss, führt zu Unordnung.
Richtig schwierig war und ist aber das Feld „Typ“. Das kann in zu viele Richtungen interpretiert werden, und bei 500 verschiedenen Zuständigen wird es das natürlich auch. Im Konzept war eine Aufteilung in „Archivtyp“ und „Sachgebiet“ vorgesehen (mit Filtermöglichkeit), und von der Idee her wäre das sehr schön – de facto gab die Datenlage diese Zuordnung einfach nicht her. Wir mussten also spontan umdisponieren: der Archivtyp ließ sich mit etwas händischer Sortierung basteln, und das Sachgebiet wurde erstmal ersatzlos gestrichen.
Wenn die Daten bei Wikidata entsprechend angepasst und aufgeräumt werden, lässt sich das leicht nachrüsten. Das kann allerdings nur passieren, wenn eine zentrale Stelle Richtlinien vorgibt, was wo einzutragen ist, und dafür sorgt, dass es auch bei zumindest 90 % der Archive auch gemacht wird. Dieser Verein in der Schweiz hat im Prinzip die Möglichkeit, das durchzusetzen, da die betreffenden Archive schon mit ihm verbunden sind, und wenn die Kategorien und mal feststehen, wäre es eine klassische Praktikumsaufgabe, alle 500 Archive durchzugehen und ihre Daten aufzuräumen. In der Praxis bleibt es natürlich ein ziemlicher Prozess.
Aber ganz gleich, ob und wann da noch aufgeräumt wird: die Karte ist jetzt schon absolut funktional, und es macht viel Spaß, damit herumzustöbern und zu schauen, zu was es alle Archive in der Schweiz gibt!
Arbeitsumfang
- Skript für laufenden Datenimport aus Wikidata
- Darstellung auf Karte
- Filterskript
Auftraggeber:in
Wikimedia Schweiz

